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Montag, 12. November 2018

Angekommen...und warum wir jetzt nochmal besonders "Besonders" sind ;-)

Wenn ich an die letzten Wochen denke, hab ich das Gefühl, einen emotionalen und organisatorischen Marathon gelaufen zu sein.

Uns fehlt das Schwimmen, der Ausgleich zu den ganzen To-Do Listen, aber Agnes darf noch nicht ins Wasser, ihr Ohr war lange Zeit entzündet, der Trommelfellschnitt ist noch nicht zugewachsen und da wäre eine neue Entzündung zu riskant.

Jetzt hat sich aber alles wieder beruhigt, die meisten Termine sind "abgearbeitet" , mein Kopf wird wieder freier und ich atme durch.

Letzte Woche gab es das erste Elterngespräch an der Schule und ich weiß jetzt wirklich, dass ich mich für die richtige Schule entschieden habe. Agnes ist angekommen, fühlt sich wohl, steigt morgens gut gelaunt (ok..meistens...was aber nix mit der Schule zu tun hat, eher mit dem fehlenden Zeitgefühl was mich morgens zum Schwitzen bringt ;-)) in den Bus, mittags wieder aus, plappert los, strahlt über das ganze Gesicht, zeigt mir ihre Mappen, wie ein richtiges Schulkind eben.

Ihre Aussprache wird immer deutlicher, sie hat so viel Spaß am Erzählen und Nachsprechen, sie versteht viel mehr als vor der OP, von der Ergotherapeutin und Logopädin höre ich momentan nur wie zufrieden sie sind und dass sie merken welch großen Schritt Agnes gemacht hat.

Hier mal ein paar Fotos vom ersten Schultag: 




Wo ich echt überrascht bin, ist dass sie in der Schule alles isst. Bisher war ihr Speiseplan ja ziemlich eingeschränkt, neues wurde mit einer abwertender Handbewegung und " Nein, Du Mama" abgelehnt. Jetzt isst sie Hünchencurry mit Couscous, Fisch Müllerin- Art, Blumenkohl, Salat( zumindest ein Blatt :-D) usw..Dann möchte sie alles alleine machen, kann einschenken, Äpfel schneiden...

Sie gebärdet auch wieder mehr, zeigt mir neue Gebärden und lacht wenn ich sie verstehe. Ich freue mich einfach für sie dass sie sich wohlfühlt.

Seit letzter Woche sind wir nochmal ein bisschen mehr "Besonders" ...Maya musste operiert werden, sie hatte einen Tumor am Ohr wie sich während der OP herausstellte. Als wir sie Abends vom Tierarzt abholten, erklärte er Agnes dass sie jetzt eine besondere Katze sei: mit einem langen Ohr und einem kurzen Ohr...ihr geht es aber gut, hat alles gut überstanden und es scheint sie nicht zu stören dass da was fehlt.

Jetzt wünsch ich euch eine schwungvolle Woche, lasst euch nicht stressen und bleibt gesund bei dem Wetter...

...so schwungvoll war`s gestern in der Sporthalle mit "46plus"- Familien:


Montag, 25. Juni 2018

...der Countdown läuft...


Was hab ich mir den Kopf zerbrochen, mit anderen Eltern gesprochen, Schulen angesehn, über Möglichkeiten informiert, meine Meinung gewechselt ;-)


So eine Entscheidung trifft man schließlich nicht über Nacht. Diejenigen von Euch die mich persönlich kennen oder schon länger mitlesen wissen, dass ich nichts leichtfertig entscheide. Ich hatte sogar schon eine Schulrückstellung beantragt. Bei meinem Großen war das irgendwie einfacher..als es um die weiterführende Schule ging, gab es auch eine Wahl, aber da war ich doch lockerer..hätte ich damals gewusst dass er danach noch Abi macht und studiert, jetzt in ein paar Wochen ein halbes Jahr Praktikum in "DEM " größten Freizeitpark Deutschlands machen darf und hinter die Kulissen sehen darf...ich glaub ich hätte mich ganz gemütlich in meinen nicht vorhandenen Schaukelstuhl gesetzt und Tee getrunken :-D

Seit ein paar Wochen steht es allerdings fest: Agnes kommt dieses Jahr in die Schule und zwar auf ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) mit den Förderschwerpunkten geistige Entwicklung und körperliche und motorische Entwicklung.

Früher sagte man dazu "Sonderschule" oder "Förderschule". Wie man das Ding jetzt auch nennt, ist eigentlich wurscht. Wichtig ist mir, dass Agnes nach ihren Fähigkeiten gefördert  und gefordert wird, selbständig wird, sich wohl fühlt und vor allem die Möglichkeit bekommt mit anderen behinderten Kindern zusammen zu sein. Auch wenn es bei mir manchmal a bisserl um die Herzgegend zwickt, die Schere zu gleichaltrigen Kindern ist merklich größer geworden. Ihre beste Freundin im Kindergarten ist knapp 5, die kleineren im Kindergarten freuen sich über ihre Umarmungen, die Großen haben andere Interessen.

Klar bin ich für Inklusion, ich weiß auch, wenn man nicht aktiv etwas dafür tut, wird sich von selbst nichts ändern. Mit Begeisterung habe ich Berichte gelesen, wo Kinder mit DS an Regelschulen sind, wie der Schulalltag dort aussieht und wie toll sie in ihren jeweiligen Klassen eingebunden sind. Ich freue mich total für diese Kinder und ich kann natürlich noch nicht wahrsagen, deshalb hätten wir es probieren können...ABER: Einzelinklusion ist in Ba-Wü nicht vorgesehen, Sammelinklusion bedeutet sie wird auch mit dem Bus abgeholt und ich hätte zur Schule die dieses Jahr dran ist keinen Bezug. Dazu mein Bauchgefühl dass Agnes da unter gehen würde...Und schließlich: Schule ist nicht ALLES! Es gibt noch genug Zeit drumherum, Inklusion zu leben.

Nachdem ich mich entschlossen hatte, lief die Maschinerie an. Es musste der Antrag auf Feststellung ihres Sonderpädagogischen Bedarfs gestellt werden, dazu waren Termine beim Augen- und HNO Arzt nötig, ein Termin zur Begutachtung auf dem Gesundheitsamt und natürlich mehrere Besuche der Kooperationslehrerin im Kindergarten. Schritt für Schritt haben wir alles abgearbeitet, das Anmeldegespräch fand statt und jetzt kommt noch ein Elternabend für Organisatorisches.

Ich hab sogar schon die Schultüte genäht (diese Nähsets kann man bei Alles für Selbermacher bestellen), sowas passiert eigentlich immer auf den letzten Drücker. Ok...der Stoff für das passende Kleidchen liegt noch unberührt hier, aber sie kann schließlich noch wachsen :-D



Im Laufe der Untersuchungen hat sich noch herausgestellt, dass Agnes wirklich nicht gut hört. Ich  habe inzwischen 3 HNO Ärzte durch. Jetzt fühle ich mich endlich gut aufgehoben. Wir wurden nach Esslingen in die HNO Klinik überwiesen. Dieser Arzt hat so eine ruhige Art, kann sehr gut mit Agnes umgehen...er hat es sogar geschafft, die Ohren von dicken Pfropfen frei zu bekommen (fragt nicht wie ich geschwitzt hab ).

Jetzt ist die OP mit Mandelverkleinerung, Polypenentfernung und Trommelfellschnitt trotzdem angesagt, ihre Atmung wird dadurch erleichtert und gleichzeitig macht man während der Narkose eine sogenannte "BERA" ( da werden die Gehirnströme gemessen und man sieht, was wirklich an Geräuschen bzw Tönen bei ihr ankommt). Danach wird entschieden, ob Hörgeräte nötig sind oder nicht.

Leider operieren sie Agnes in Esslingen wegen dem erhöhten Narkoserisiko nicht und mir wurde das "Olgäle" in Stuttgart empfohlen. Als das Wort fiel wurde mir erstmal heiß und kalt, hab da ja schon ein paar Erfahrungen gemacht...aber sie seien nun mal die Besten. Also werde ich jetzt frisch fromm fröhlich frei an die Sache herangehen und vertrauen....


Damit ich meinen Kopf frei krieg, gehen wir öfters ins "Eins und Alles" im Welzheimer Wald, hab ich glaub auch schon erwähnt ;-) Inzwischen ist es so, dass es dort WIRKLICH entspannt ist. Agnes kann laufen, klettern, traut sich immer mehr...wir entdecken immer wieder Neues, es ist ruhig, die Bäume erden mich ...nein..umarmt habe ich keinen...UND: es gibt ganz leckeres Essen!










Apropos Essen...am Freitag war das Sommerfest im Kindergarten...das dritte für Agnes..also das Buffet der Eltern war der Hammer! Ich musste mal wieder ein Tränchen verdrücken (räusper...kann da echt nix dagegen machen..und gelungen ist es mir eh nicht ;-) ), als ich gesehen hab wie Agnes mitgemacht hat. Sie hatte soviel Spaß beim singen und tanzen...aber schaut selbst:



Soo...hab jetzt glaub etwas viel rein gepackt, bei Unklarheiten wisst ihr ja wie ihr mich erreicht :-D

Kommt gut durch die Woche ;-)

Sonntag, 28. Januar 2018

Wunder..


...heißt ein neuer Film, der gestern in den Kinos anlief. Ich gebe es ehrlich zu, als ich den Trailer zum ersten mal gesehen habe, habe ich geschluckt und bin auch etwas erschrocken.


Es ist die Verfilmung des Jugendbuches von Raquel J.Palacio, ausgezeichnet mit dem deutschen Jugendliteraturpreis, seit Jahren auf der Bestsellerliste der New York Times, es wurde über 1 Million mal verkauft und in bisher 7 Sprachen übersetzt.

In erster Linie handelt die Geschichte von August, kurz Auggi genannt. Er kam wegen eines Gendefekts mit einem deformierten Gesicht auf die Welt, nach 27 Operationen konnte er sehen und hören, aber sein Gesicht ist weiterhin entstellt. Bis er 10 Jahre alt ist unterrichtet ihn seine Mutter zu Hause, sein Vater bringt ihn immer wieder zum Lachen und seine Schwester Via (Olivia) liebt ihren Bruder, fühlt sich zeitweise aber unsichtbar, sie beschreibt es so: Auggi ist wie die Sonne, wir alle kreisen um ihn. Nicht zu vergessen den Hund Daisy.

Jetzt soll er aber auf eine normale Schule wechseln und nicht nur er hat Angst vor den Reaktionen und was ihn da erwartet, seiner Mutter geht es genauso. Als sie ihn zur Schule begleitet, konnte ich ihre Gefühle ziemlich gut nachvollziehen. Er wird gemobbt, findet aber dann doch Freunde. Das passiert aber nicht so wie man es vielleicht von Hollywood Filmen gewohnt ist. Was ich so toll an dem Film finde ist, dass er die verschiedenen Charaktere beleuchtet, ihre Gedanken und Gefühle aus ihrer Sicht darstellt. Aber schaut mal selbst, ich kann das gar nicht so gut beschreiben ;-) :

 

Viele Szenen haben mich sehr berührt, da ich sie ähnlich schon erlebt habe. Zum einen weiß ich selbst wie man sich fühlt wenn man gemobbt wird. In der Schule habe ich Sprüche gehört wie: "Deutsche Panzer rollen wieder", oder "macht mal Platz, sonst kommt die nicht vorbei". Jahrelang hab ich wirklich gedacht, ich stinke, ich hab mich ins hinterste Eck vom Schulbus gedrückt und gehofft, dass man mich nicht sieht. Eine Situation werde ich auch nie vergessen...ich weiß nicht mit was aber ich habe kleine Stromstöße von jemanden hinter mir bekommen. Immer zwischen den Sitzen hindurch kam so was wie ein Draht. Ich hab so getan als ob ich das nicht spüre, aber als ich endlich zu Hause war, bin ich erst mal in mein Zimmer und hab geheult. Ok, das ist jetzt ca 30 Jahre her, aber so was vergisst man nicht. (Und ich kann euch immer noch die Namen sagen und ich würde lügen wenn ich mich nicht ein bisschen drüber freuen würde wie die jetzt aussehen :-D )

Zum anderen erlebe ich es jetzt als Mutter einer kleinen Tochter, die nicht der "Norm" entspricht. Wir werden öfter angestarrt, Kinder laufen weg oder rümpfen die Nase, möchten nicht von Agnes berührt werden, fangen an zu lachen, fragen "warum sie denn so ein dickes Gesicht und kleine Augen hat" oder warum sie sooo komisch läuft. Erst letzte Woche lief ein Junge vor ihr im Wartezimmer weg, ich sah die Mutter an, und sie drehte sich selber weg und sah an die Decke. Es kommt immer auf meine Tagesform drauf an wie ich reagiere. Ich versuche nichts in Situationen hinein zu interpretieren, mich auf die anderen positiven Reaktionen zu konzentrieren, aber manchmal, ja da werfe ich einen bösen Blick zurück. Und glaubt mir, ich kann böse schaun. Natürlich guckt man erstmal wenn man etwas ungewohntes sieht, wenn man noch nie einen Menschen mit Down Syndrom gesehen hat sieht man wohl automatisch zweimal hin. In solchen Momenten würde ich mir einfach nur wünschen, dass man mit dem Herzen sehen kann, dass man sich öffnet für "Anderes", dass man das Lachen sieht, diese Power die in diesem kleinen Persönchen steckt, ihre Anteilnahme, Hilfsbereitschaft und ihre Sensibilität. Denn auch wenn es manchmal so aussieht, als würde sie es nicht merken...sie tut es. Und dann blutet mein "Mamaherz". Mir wurde schon gesagt, ich würde sie zu sehr beschützen, uns beide unter eine Käseglocke verstecken. Das mag am Anfang so gewesen sein. Inzwischen gehen wir sehr viel raus, sind unterwegs, zeigen uns. 
ABER...ich ziehe auch Grenzen. So wie zb in der Tanzschule. Es hat ihr Spaß gemacht, ja, aber nach über einem Jahr war sie immer noch nicht in der Gruppe integriert. Ich bekam mehr als einmal gesagt, dass es schon ein bisschen schwierig sei, da sie halt nicht immer das macht was die anderen machen und so ein bisschen den Fortschritt der anderen hemmen würde. Außerdem hat es mir auch  gereicht, jede Woche immer wieder ein und der selben Mutter Rede und Antwort zu stehen. Immer wieder die gleichen Fragen: wie es denn wäre mit so einem "kranken" Kind zu leben, welchen Grad von "Down Syndrom " sie denn hätte, auf welchem Entwicklungsstand sie denn jetzt sei usw.. Ich beantworte gerne diese Fragen, aber doch nicht jede Woche die gleichen! Das i-Tüpfelchen war dann : Ich bin ja zuständig für die Verteilung von Geldern für so kulturelle Sachen, ich hab auch schon was für so eine Theater AG für so kranke Menschen gegeben ...HILFE!!!! Vielleicht hat der Umstand dass sie damals auf zuckerfreier Diät war etwas damit zu tun. Hab mal gehört, Zucker wäre wichtig fürs Gehirn ;-)

Mich treibt ja wieder / immer noch die Schulfrage um. Hatte ich mich letztes Jahr dann doch für die Förderschule mit Aussenklasse ( tschuldigung, ich meine natürlich : Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum) entschieden, wurde durch den Downsyndrom Kongress alles ins Wanken gebracht. So viele sprachen sich für Inklusion an Regelschulen aus, ich las ganz viele Erfolgsgeschichten von Familien, die inklusiv beschult haben usw. Sind meine eigenen Grenzen etwa zu eng gesteckt? Traue ich Agnes zu wenig zu? Sollte man (ich) es nicht wenigstens probieren?

Der Kopf sagt : JA, aber mein Herz sagt etwas anderes...wie sieht das praktisch aus? Die anderen 25-30 Kinder lesen und sie malt Kreise auf ihrem Blatt daneben? Sie kann nicht so lange still sitzen und läuft dann rum, die anderen stören sich daran und meiden sie? Steht sie dann am Schulhof alleine mit ihrer Schulbegleitung ? Sie kann sich noch nicht gut verständigen, die anderen verstehen schlecht was sie sagen möchte. ..keine gute Voraussetzung für Kinder in dem Alter oder? Klar kann es anders laufen...aber was wenn nicht? Sie kann mir dann ja nicht mal erzählen wenn etwas vorgefallen ist. Ich würde es nur an ihrer Körpersprache erkennen und an ihrer Stimmung. Und soll ich sie wirklich solchen Situationen aussetzen? Mir ist schon bewusst dass ich sie nicht mein ganzes Leben lang beschützen kann, dass sie auch lernen muss mit solchen Sachen umzugehen..aber in welchem Maß?

Ich höre mich weiter um, frage bei anderen nach wie es da läuft, und am Ende werde ich auf mein Herz hören und schauen dass Agnes Spaß hat, etwas lernt und aufs Leben vorbereitet wird. Schule ist ja auch nicht alles, es gibt ja immer noch ihre Familie und andere Bezugspersonen, es liegt an uns, wie wir die Freizeit gestalten. Und da wird es auch in Zukunft nicht langweilig werden.

So..jetzt wünsch ich Euch aber einen schönen Sonntag, danke fürs "Dranbleiben" :-)





Dienstag, 21. Februar 2017

Schlaflos, wütend und traurig..

..und voller Angst.
Ja, ich habe auch den Bericht auf RTL gesehn, Wallraff deckt auf, Missstände in "Einrichtungen" für behinderte Menschen. Und ja, man kann jetzt lange darüber diskutieren wie seriös dieser Sender ist, mit welchen Methoden aufgedeckt wird und dass es ja "nur Einzelfälle" sind.

Ich kann und will es nicht verstehen wie man so mit Menschen umgehen kann, die wehrlos sind, die auf die Hilfe anderer angewiesen sind.

Vor kurzem hab ich schon einmal darüber geschrieben dass mir die Schulwahl von Agnes solche Bauchschmerzen bereitet. Heute habe ich erfahren dass es Einzelinklusion in Baden Württemberg gar nicht gibt. Das heißt, es ist gar nicht möglich wie in anderen Bundesländern sie hier am Ort einschulen zu lassen, es ist hier nicht vorgesehen dass sie in eine Regelklasse gehen kann mit Schulbegleiter und einem Sonderpädagogen der stundenweise da ist. Ich kann sie für die Inklusion bis Dezember anmelden, dann sammelt das Schulamt alle Anträge vom Landkreis und dann wird entschieden, welche Kinder man zusammen in eine Gruppe stecken kann und welche Schule dafür geeignet ist. Das kann unter Umständen auch eine Schule sein die 30 km weit weg ist.

Momentan kann ich mir noch gar nicht vorstellen dass sie überhaupt in eine Schule geht. Für mich ist der Regelkindergarten den sie besucht ein geschützter Ort, an dem sie akzeptiert ist und überall dabei ist. Ich habe engen Kontakt mit den Erzieherinnen und mit den anderen Eltern.

Die Vorstellung dass sie morgens in einen Bus einsteigen wird der sie abholt und nachmittags wieder bringt, sie mir nicht erzählen kann was sie getan hat, was andere zu ihr gesagt haben oder wie ihr Tagesablauf war, ist, hmm..mir fehlt das richtige Wort.

Natürlich gibt es Mitteilungshefte oder andere Möglichkeiten wie den Big Button, wo Nachrichten aufgesprochen werden können. Und natürlich muss ich auch loslassen lernen..

Wie oft habe ich das schon gehört...DU MUSST LOSLASSEN... ES IST NICHT GUT DASS SIE SO AUF DICH FIXIERT IST... und DU KANNST SIE NICHT IMMER BESCHÜTZEN...

Nein, kann ich nicht, und ich kann auch loslassen wenn ich mir sicher bin dass da wo sie ist, sie gut aufgehoben ist und verstanden wird.

ABER: Wissen diese Menschen die mir so tolle Ratschläge um die Ohren hauen, wie es ist, wenn man seine 5 Monate alte Tochter an der OP Tür einem Ärzteteam überlassen muss und nicht weiß wie die Herz OP verlaufen wird? Wissen diese Menschen wie es sich anfühlt wenn man nach einem 1,5 stündigem Aufklärungsgespräch unterschreiben muss dass man über alle Risiken der OP Bescheid weiß?  Haben diese Menschen eine Ahnung wie einem das Herz blutet wenn man nach 8 Stunden seine Tochter endlich sehen darf und denkt: das ist sie doch nicht, so sah sie heute morgen nicht aus, diese ganzen Drähte und Schläuche, natürlich notwendig um zu überwachen?
Wie weh es tut wenn die Krankenschwester vor der Extubation zu einem sagt, dass das jetzt schwierig wird weil "solche Kinder" da nicht gut mitmachen?

Wahrscheinlich sagt Agnes so oft zu mir "NIT SINGA" weil ich bei der Extubation "You are my sunshine" in Dauerschleife gesungen habe und es wird nicht nur daran gelegen haben aber es ging problemlos und sie hat alleine geatmet!

Ich habe ihr von Anfang an gesagt, dass ich IMMER für sie da sein werde und sie beschützen werde, wo ich nur kann. Sie wird nicht in Watte gepackt und ich fördere ihre Selbstständigkeit wo immer es geht und manchmal vergess ich es auch. So what??

Ich höre auch oft, dass ich mich zu sehr mit dem Thema DS beschäftige, ob mir das wirklich was bringt. Ja, es ist ein großer Teil in meinem Leben aber nicht alles. Zur Zeit ist es wieder intensiver da ich versuche, möglichst viele Informationen und Möglichkeiten über die Beschulung zu bekommen.

Was ich mir wünsche, ist die bestmögliche Schulart für sie zu finden, wo sie als Mensch gesehen wird, als Agnes mit ihren Stärken und Schwächen, und nicht als "Downie" oder Belastung. Sie soll in ihrem Tempo lernen dürfen, selbstständig werden und zwar in einem Umfeld in dem sie sich wohlfühlt.

Ich weiß dass das ein großer Schritt für sie sein wird, und für mich auch, und deshalb muss er gut überlegt sein.

Und ich glaub solange wir dabei noch so viel Spaß haben können wie gestern in der Wilhelma, kann es nicht falsch sein..





Sie wird ihren Weg gehen, irgendwann auch ohne mich...  :-)


Mittwoch, 26. Oktober 2016

Laune gut, alles gut...

ich hoffe mal, eine Tasse davon reicht..


..die Sorten "Hol dir Kraft" und "Dickes Fell" sind schon aufgebraucht ;-)


Ich fühl mich grad wie der Teebeutel, der da oben in der Tasse schwimmt. Es gibt Situationen da steh ich einfach nur da und weiß nicht, was ich sagen oder tun soll..



In die Offensive gehen, schlucken, was mir wie ein dicker Kloß im Hals steckt, oder erstmal abwarten und schauen wie ich die Situation in ein paar Stunden sehe?

Ich erzähl Euch mal was mich umtreibt...heute war wieder Tanzschule, Dancing Kids, tanzen ohne Leistungsdruck, der Spaß an der Musik und Bewegung sollen im Vordergrund stehen, ebenso die Förderung vom Sozialverhalten.

Soweit so gut.

Agnes freut sich schon drauf wenn ich sage dass heute tanzen ist, sie strahlt übers ganze Gesicht und sagt: Agnes tannnnzen

Bevor es losgeht, laufen die Mädchen im großen Spiegelsaal herum, Agnes will auch und lacht und läuft mit. Heute passierte es nicht zum ersten Mal dass ein Mädchen auf sie zu geht und sagt:

Du darfst aber nicht mitspielen!

Und zu den anderen :

Die läuft so komisch, und sie sieht auch komisch aus!

Da die dazugehörige Mama draußen mit ihrem Handy beschäftigt ist, bekommt die das nicht mit. Vor 2 Wochen habe ich diesem Mädchen erklärt dass Agnes noch nicht so lange laufen kann wie sie selber und jeder Mensch anders aussieht. Ändert aber nichts.

Jetzt ist das leider eine Situation, die tagtäglich in den Klassenzimmern oder auf dem Pausenhof  so oder so ähnlich statt findet. Dazu muss das Kind nicht mal behindert sein. Es reicht schon dass es rote Haare hat, nicht die neuesten Klamotten trägt oder dicker ist wie die anderen.

Was mich dann aber wirklich getroffen hat, war die Aussage der Tanzlehrerin am Ende der Stunde:

-Wieso war Agnes denn letzte Woche Donnerstag da und nicht am Mittwoch? war sie krank?

-Sie hatte Geburtstag und deshalb kam sie am Donnerstag mit ihrem Papa

-Ah ok..die Mädchen der Donnerstagsgruppe haben sie leider nicht akzeptiert und deshalb geriet die Stunde ins Stocken, es wäre besser wenn sie nur Mittwochs käme..nur so als Feedback

Und was mach ich jetzt mit diesem "Feedback" ???

Ich hab genickt und mich verabschiedet. Und seitdem rumort es in mir wie verschimmelter Käse.

Wäre es nicht vielleicht auch Aufgabe der Tanzlehrerin den anderen zu erklären dass es eben Kinder gibt die langsamer lernen oder manches nicht so schnell umsetzten können?

Wenn es jetzt hier in dieser "Freizeitsituation" schon ein Problem ist, wie soll das dann in der Schule werden?

Wir müssen uns langsam mit dem Thema Schule befassen, im Januar findet die Schuluntersuchung statt. Ich hab tausend Situationen im Kopf wo Agnes ausgegrenzt und ausgelacht wird. Es gibt die Möglichkeit sie inklusiv an einer Regelschule mit Schulhelfer zu beschulen. Sie wäre aber die Erste und wahrscheinlich auch die Einzige an dieser Schule. In den Nachrichten haben sie gebracht dass es kein Geld für Inklusion an deutschen Schulen gibt und deshalb viele Versuche zum Scheitern verurteilt sind.

Viele reden ja von dem "Schutzraum Förderschule", Gleichgesinnte unter sich (was heißt denn Gleichgesinnt bei den vielen unterschiedlich stark ausgeprägten Behinderungen?), aber was ist mit den Vorfällen bei denen z.B. ein Kind von einem anderen Kind geschlagen wurde da kein Betreuer dabei war? Am liebsten wäre mir eine Montessori Schule, die nächste ist aber in Stuttgart.
Es gibt eine freie Waldorfförderschule in der Nähe, die hatten aber auch noch kein Kind mit DS.

Auf Teufel komm raus ein Zeichen setzen? Nein...das Wichtigste ist dass Agnes zu einer selbständigen jungen Frau heranwachsen darf und kann, zuhause und in der Schule. Da werde ich noch einige Liter Tee trinken bis diese Entscheidung gefällt ist...

So, da der Tee jetzt wirkt erinnere ich mich lieber an die schönen Dinge heute und ich teile sie natürlich auch mit Euch:

Heute gab es für den Kindergarten eine Kasperltheater Aufführung in einer Halle im Ort. Zusammen mit der Leiterin  hatten wir vor ein paar Tagen besprochen dass sie es gerne probieren möchten, Agnes zu Fuß mitzunehmen.

Beim Abholen strahlten sie mich dann alle an und erzählten dass es gut geklappt hat. Mit der Motivation der anderen Kinder ist sie tatsächlich hin- und zurück marschiert und hatte viel Spaß bei der Aufführung. (Ohne einen winzigkleinen Sitzstreik auf dem Rückweg ging es dann doch nicht).



Lustig fanden sie auch ihre Reaktion auf ihre Pausenbrotalternative :-)


Bisher hat sie immer eine "Kastanie" dabei, so heißen bei uns die Laugenweckle..
Da sie aber nicht so schnell nach oben wächst wie ihr Gewicht steigt, probiere ich grad einiges aus.

Sie hat also ihre Box geöffnet, entsetzt in die Runde geschaut, Deckel drauf, Deckel wieder weg, vorsichtig in ein Karottenvollkornbrotherz gebissen und dann wollte sie es verschenken ;-)

Mittags wollte ich eine Erbse in den Nudeln verstecken, sie aß die Nudel und im Mund blieb was übrig? natürlich die Erbse ! Das muss man erstmal hinbekommen...

Sie war jedenfalls gestärkt genug um der Kindergarten- Ausschusssitzung beizuwohnen.

Ich mach mir jetzt noch einen Baldrian Tee, nicht dass sich die Nachbarn noch wundern warum ich so laut lach...